Die Anatomie wirksamer Techniken – ein neuer Blick auf Taekwon-Do

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ZWEI HÄNDE – EIN PRINZIP Struktur, Kontrolle und Anwendung im Taekwon-Do

 

Zweihandprinzipien im Taekwon-Do

Struktur, Kontrolle und Anwendung

Die folgenden Ausführungen beschreiben die grundlegenden Prinzipien, nach denen ich Taekwon-Do unterrichte. Sie sind das Ergebnis einer langjährigen Beschäftigung mit Formen, Techniktraining und Selbstverteidigung sowie der funktionalen Auseinandersetzung mit anderen etablierten Kampfkünsten.

Auf dieser Grundlage werde ich im Jahr 2026 Seminare anbieten und durchführen, in denen diese Inhalte praktisch vermittelt und vertieft werden. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das Erlernen neuer Techniken, sondern das Verstehen bereits bekannter Bewegungen: ihrer inneren Struktur, ihrer mechanischen Logik und ihrer tatsächlichen Wirkung. Termine und organisatorische Details werden zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.


Taekwon-Do als Prinzipiensystem

Taekwon-Do wird häufig über einzelne Techniken, Kombinationen oder Formen definiert. Betrachtet man es jedoch funktional, zeigt sich ein anderes Bild: Nicht die äußere Form ist entscheidend, sondern die Art und Weise, wie der Körper eingesetzt wird.

Unabhängig davon, ob eine Bewegung als Schlag, Block oder Wurf erscheint, folgt sie denselben biomechanischen Gesetzmäßigkeiten. Kraft entsteht nicht isoliert im Arm oder Bein, sondern durch Koordination, Struktur und gezielte Nutzung des gesamten Körpers. Ziel ist es stets, den Gegner in seinem Gleichgewicht und seiner Körperstruktur zu beeinflussen.

Ein zentrales Element dabei ist der gleichzeitige Einsatz beider Hände.


Das Prinzip der zwei Hände

Wirksame Kampftechniken entstehen nicht aus Einzelbewegungen. Sie entstehen aus dem Zusammenspiel zweier Funktionen:
einer vorbereitenden und einer abschließenden Aktion.

Im Taekwon-Do ist dieses Prinzip in den Formen klar angelegt, wird jedoch häufig nur formal ausgeführt. Betrachtet man die Bewegungen funktional, zeigt sich eine klare Aufgabenverteilung:

  • Eine Hand kontrolliert, zieht oder destabilisiert

  • Die andere Hand führt, richtet aus und vollendet

Dieses Prinzip ist nicht auf Taekwon-Do beschränkt. Es findet sich in vergleichbarer Form auch in Karate und Judo wieder. Die äußere Darstellung unterscheidet sich – die Mechanik bleibt gleich.


Die vorbereitende Hand: Struktur brechen

In jeder effektiven Technik existiert eine Bewegung, deren Aufgabe nicht das Treffen, sondern das Vorbereiten ist.
Im Taekwon-Do wird diese Funktion durch das Dangison erfüllt.

Diese Hand:

  • zieht oder dreht den Gegner aus seiner stabilen Haltung

  • beeinflusst Arm-, Schulter- und Körperachse

  • reduziert Standfestigkeit und Reaktionsfähigkeit

Biomechanisch erfolgt dies über die Aktivierung der Rückenmuskulatur, die Rückführung des Ellbogens und die Kopplung an die Rumpfrotation. Die Wirkung entsteht nicht durch Armkraft, sondern durch strukturelle Manipulation.

Ob der Kontakt am Handgelenk, Unterarm, an der Kleidung oder im Schulter- und Nackenbereich erfolgt, ist situationsabhängig. Entscheidend ist nicht der Griff, sondern die Funktion.


Die ausführende Hand: Richtung festlegen

Die zweite Hand nutzt die durch das Dangison geschaffene Situation.
Im Taekwon-Do übernehmen Jirugi, Taerigi und Makgi diese Aufgabe.

Ihre Funktion besteht darin,

  • die Bewegungsrichtung zu definieren

  • die Kopf- und Wirbelsäulenlinie zu beeinflussen

  • den Abschluss der Technik herzustellen

Mechanisch geschieht dies durch eine Kombination aus Vorwärts- oder Diagonalbewegung, Hüftrotation und Gewichtsverlagerung. Die Technik wirkt nicht isoliert, sondern als Endpunkt einer zuvor aufgebauten Struktur.

Schlag, Kontrolle oder Wurf sind dabei lediglich unterschiedliche Ausdrucksformen desselben Prinzips.


Timing und Ablauf

Unabhängig von äußerer Form folgt jede funktionale Technik demselben Ablauf:

  1. Destabilisieren

  2. Ausrichten

  3. Einsatz von Körpergewicht und Hüfte

  4. Abschluss

Diese Reihenfolge ist nicht beliebig. Ohne vorbereitende Destabilisierung bleibt der Abschluss wirkungslos. Ohne klare Führung verliert die Technik ihre Richtung.

Die äußere Erscheinung kann variieren – die innere Logik bleibt konstant.


Konsequenzen für Formen und Anwendung

Wird Taekwon-Do aus dieser Perspektive betrachtet, verändert sich das Verständnis vieler bekannter Bewegungen:

  • Makgi wird zu einer aktiven steuernden Handlung

  • Dangison erhält seine kontrollierende Funktion zurück

  • Jirugi und Taerigi definieren strukturelle Linien statt nur Ziele

Formen werden so zu Bewegungsstudien funktionaler Selbstverteidigung. Die Anwendungen ergeben sich logisch aus der Bewegung selbst und müssen nicht künstlich hinzugefügt werden.


Bedeutung für Unterricht und Seminare

Diese Prinzipien bilden den methodischen Kern meines Unterrichts. Formen, Techniktraining und Selbstverteidigung werden nicht getrennt behandelt, sondern als zusammenhängendes System vermittelt.

Die geplanten Seminare im Jahr 2026 bauen genau auf diesem Verständnis auf. Ziel ist es, die in den Formen enthaltenen Prinzipien sichtbar zu machen und ihre Anwendung nachvollziehbar und praktisch erfahrbar zu machen.


Zusammenfassung

  • Wirksame Techniken entstehen aus dem Zusammenspiel beider Hände

  • Eine Hand bereitet vor, die andere vollendet

  • Taekwon-Do folgt universellen biomechanischen Prinzipien

  • Unterschiede zu anderen Kampfkünsten liegen im Ausdruck, nicht in der Funktion

  • Verständnis von Struktur und Timing macht Techniken anwendbar

So verstanden zeigt sich Taekwon-Do als ein geschlossenes, funktionales System mit klarer innerer Logik und direktem Bezug zur realistischen Selbstverteidigung.

#ts

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